Persianer Torte

Heute präsentiere ich euch ein sehr persönliches Rezept, dass es schon lange in unserer Familie gibt, die Persianer Torte. Es ist sehr selten, dass ich meine Familie mit dem Blog verbinde und mehr über meine Hintergründe erzähle. Ich halte das für einen Fehler, die Geschichten müssen und wollen doch erzählt werden. Schließlich sind Geschichten genau dazu da. Kommt mit mir auf eine kleine Reise hinter eine Torte, die mir sehr viel bedeutet. Und wer weiß, vielleicht ist diese Torte auch dafür verantwortlich, dass ich einen Hang für das süße Handwerk entwickelt habe.


Zeit für eine Geschichte über die Persianer Torte


Nun alles begann schon in meinen sehr sehr jungen Jahren. Ja, diese Torte gab es wohl auch schon vor meiner Zeit. Es war wohl ein gewöhnlicher Tag im Leben eines kleinen Schülers, der gerade mit seiner großen Schultasche, die beinahe so groß ist wie er selbst, nach Hause schreitet. Dabei war der kleine Junge schneller als sonst unterwegs, denn heute war ein besonderer Tag für ihn. Er eilte also vorbei an den vielen Wohnhäusern, vorbei am Kindergarten und der katholischen Kirche. Der Weg setzte sich fort über eine kleine Brücke, die über einen ebenso kleinen Bach führte. Nun nur noch die schmale Straße entlang und dann ist der kleine Junge auch schon daheim. Schneller als sonst, denn heute ist ein besonderer Tag.

Ja, heute war Besuch aus dem fernen München angereist, zumindest teilte man das dem kleinen Jungen genau so mit. Der Junge stürmte die Treppe hoch bis in den zweiten Stock, wo er hastig seinen kleinen Schlüsselbund aus der Tasche hervorkramte, um die Tür mit dem passenden Schlüssel aufzuschließen. In dem Moment als er den Schlüssel fand, öffnete sich die Tür. Eine Frau mit haselnussbraunem Haar, welches mit einer grauen Strähne durchzogen war, öffnete die Tür, es war Tante Hella, die nun in der Tür stand und den kleinen Jungen angrinste. Der kleine Junge sprang ganz gespannt auf und ab und freute sich über seine herzensgute Tante aus München. Sie gingen beide in die Wohnung, wo auch schon die Eltern an einem reich gedeckten Tisch warteten. Nach einem geselligen Mittagessen brachte Tante Hella einen Kuchen aus der Küche, den sie bereits in München gebacken hatte. Ein dunkler brauner Kuchen, der auf den ersten Blick sehr kompakt wirkte.

Doch der kleine Junge wusste bereits um was es sich handelte, es war Tante Hellas Persianer Torte, die sie immer mitbrachte, wenn sie zu Besuch kam. Der kleine Junge jubelte und bekam zu seiner heißen Schokolade ein großzügig bemessenes Stück abgeschnitten. Er schmatzte und ratzfatz war das Stück auch schon bis auf den letzten Krümel verschwunden. Der kleine Junge bedankte sich, während Tante Hella sich über so viel Euphorie für einen Kuchen sichtlich freute. Schließlich endete ihr Besuch nach einigen längeren Geschichten über die Vergangenheit in Danzig und die versunkene Gustloff. Sie trat die Rückreise ins unendlich weit erscheinende München an.

Diese Geschichte hat sich so noch viele Jahre und Jahrzehnte wiederholt. Der kleine Junge wurde größer. Tante Hellas Besuche wurden seltener, doch was geblieben ist, das ist die Vorfreude auf ihre Persianer Torte. Bei einem der späteren Besuche übergab Hella dem mittlerweile jungen Mann das handgeschriebene Rezept für die Persianer Torte. Ein Rezept, dass die Kindheit des jungen Manns bis heute geprägt hat. Gezeichnet, der junge Mann.

So viel Geschichte in einer dunklen Nusstorte aka Persianer Torte.

So viel Geschichte in einer dunklen Nusstorte aka Persianer Torte.

Zubereitungsdauer: ca. 45 Minuten

Backdauer: ca. 40 Minuten

Rezeptmenge: eine Torte

Spezielles Backzubehör: eine Springform mit 22cm Durchmesser, ein Spritzbeutel mit Sterntülle

Für eine Persianer Torte: 210g Butter, 210g Zucker, 100g gemahlene Haselnüsse, 100g gemahlene Mandeln, 150g dunkle Kuvertüre, 8 Eier, eine Vanilleschote (alternativ: eine Packung Vanillezucker), 30g Rum, eine Prise Salz etwas Butter und Mehl für die Springform

Den Backofen auf 180°C vorheizen. Die Springform mit gründlich mit Butter einfetten und mit etwas Mehl ausstauben. Die Butter aus dem Kühlschrank nehmen und auf Zimmertemperatur bringen.

Zuerst die weiche Butter mit der Hälfte des Zuckers cremig schlagen. Die Vanilleschote mit dem Messerrücken flach drücken, anschließend der Länge nach aufschneiden und das Mark herauskratzen und ebenfalls zur Butter geben.

Während die Butter schaumig geschlagen wird, können die Eier getrennt werden. Das Eigelb langsam zur Butter geben. Währenddessen die dunkle Kuvertüre in eine Schüssel geben und im Wasserbad oder in der Mikrowelle unter Rühren schmelzen. Nun den Rum und die gemahlenen Mandeln/Haselnüsse zu der cremigen Butter geben. Langsam die geschmolzene dunkle Kuvertüre einlaufen lassen und gut verrühren. Zuletzt zu dem Eiweiß den restlichen Zucker und eine Prise Salz geben. Das Eiweiß erst bei mittlerer Geschwindigkeit verrühren und anschließend schnell aufschlagen. Den Eischnee in unter die cremige Masse heben und schließlich in die vorbereitete Springform füllen. Den Kuchen für ca. 40 Minuten backen. Zwischendurch die Gare mit einem kleinen Holzstäbchen überprüfen. Nach dem Backen vollständig abkühlen lassen.

Für das Dekor: ein Eiweiß, 30g Zucker, 30g Puderzucker, eine Prise Salz, einige geröstete Mandeln/Haselnüsse

Das Eiweiß mit dem Zucker und einer Prise Salz steif schlagen. Nun den gesiebten Puderzucker unterheben. Die Baisermasse in einen Spritzbeutel mit Sterntülle füllen. Einige Tupfen auf der Torte machen. Die Zwischenräume mit gerösteten Mandeln, Haselnüssen und dünnen Schokoladenspänen füllen. Die Torte hält sich problemlos vier Tage. Oder wird komplett am ersten Tag vernascht.

2 Kommentare

  1. Ich glaube in fast jeder Familie gibt es so einen „Familienkuchen“. Bei uns ist es die Rumfrucht-Torte oder – wie wir immer sagen – der „Lappenkuchen“ wegen der hauchdünnen Schokoladen“lappen“ oben drauf. Im Prinzip zwei Sorten Biskuit geschichtet mit zwei Sorten französischer Buttercreme und in Rum eingelegten Früchten. Darum ein Marzipanmantel und Schokolade, darauf die Schokoladenlappen, darunter ein hauchdünner Mürbteig. Ich freue mich heute noch jedes Mal, wenn ich den zu Essen kriege 🙂

  2. Lieber Michael,
    Was für ein schöner Beitrag! Ich liebe solche Geschichten rund um einen besonderen Leckerbissen aus der Familie. Ich danke dir, dass du uns das schöne Rezept deiner Tante Hella verraten hast. Ich werde ihn auf jeden Fall ausprobieren.
    Liebe Grüße Maren

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