Ich bin kein Bäcker. Ich bin Konditor.

Der heutige Mittwochsbeitrag ist anders, bezogen auf das Thema, fast schon komisch. Doch es gibt Dinge im Leben eines Konditors, die stören einen doch schon sehr.


„Ein Konditor hat soviel mit Brot zu tun wie mit Fisch filetieren.“

Wenn man nun einen Konditor, der das Bäckerhandwerk nicht erlernt hat, als Bäcker bezeichnet, dann würde ich dieser Person am liebsten eine dicke Sahnetorte ins Gesicht klatschen.

Was ich damit sagen will? Es ist furchtbar, wenn man Torten mit Brot vergleicht und umgekehrt, denn genau das geschieht, wenn die beiden Berufsbilder derart vermischt werden. Und das hat nix mit einer Abneigung gegenüber Bäckern zu tun, ganz im Gegenteil wie ihr heute erfahren werdet. Euer Michael.

Fakt Nr. 1: Berufsstolz

Ja, klingt im ersten Moment vielleicht etwas befremdlich, doch jeder der seinen Beruf mit Freude und Leidenschaft ausübt, ist stolz auf sich und sein Berufsbild. Wenn ich also mit einem leidenschaftlichen Bäcker über die besondere Qualität seines Kartoffelbrots spreche, dann wird es sich darüber sicherlich freuen, denn er steckt viel Entwicklungsarbeit in perfekte Produkte. Ganz genauso ist es auch beim Konditor. Ich könnte euch stundenlange Vorträge über die Eigenschaften von Schokoladen, deren Einfluss auf unser Wohlbefinden und das perfekte Temperieren der Kuvertüre erzählen, weil ich mich mit meinem Beruf identifiziere und ihn liebe.

Woher kommt dieser Stolz? Nun das beginnt schon ganz am Anfang, wenn man sich den Betrieb für die Ausbildung aussucht, je mehr Produkte eine Konditorei verarbeitet und herstellt umso mehr fängt man an die Zusammenhänge zu begreifen und das macht glücklich. Man ist zufrieden.

Ob man weiterhin stolz auf den Beruf ist, hängt von den bestandenen Prüfungen, den großartigen Kollegen und dem Wechsel in andere Konditoreien zusammen.

Fakt Nr. 2: Arbeitsgebiet

Ein heikler Punkt, der aber auf jeden Fall hier erwähnt werden muss. Ein Konditor hat bis auf die Tatsache, dass er auch Mehl, Eier, Zucker etc. verarbeitet nichts mit Brot zu tun. Damit meine ich: Wirklich rein gar nichts. Als Konditor beschäftige ich mich mit dem Herstellen von Torten und den einzelnen Teilen davon wie Biskuitböden, Fruchtfüllungen und Cremes. Dazu gesellt sich die richtige Verarbeitung von Schokoladen, wozu u.a. das Temperieren zählt. Das Herstellen von Schaustücken aus Schokolade, Zucker oder Marzipan gehört genauso zu meinem Arbeitsgebiet wie die Herstellung von Speiseeis und Sorbets.

Ein Bäcker backt auch nicht einfach nur Brot, je nach Sorte Mehl muss er die Rezepte umschreiben anpassen und auf aktuelle Trend wie Superfood (z.B. Chiabrot) reagieren. Was wäre Deutschland ohne das feine Laugengebäck, was es so fast nirgends sonst auf der Welt gibt. Unsere Bäcker sind rund um die Uhr fleißig am Entwickeln neuer Ideen. Nicht umsonst sind wir ein Land, das für seine Brotkultur bekannt ist. Dazu sind Bäcker wahre Künstler im Umgang mit Plunder- und Blätterteigen und dazu flexibler im Umgang mit glutenfreien Erzeugnissen als wir Konditoren.

Fakt Nr. 3: Bäcker, Konditor, Patissier bald eins?

Ein Gefühl was mich seit Längerem beschleicht. Sind wir bald alle eins? Sprich Bäcker, Konditoren und Patissiers? Schaut man sich die Zahlen derer an, die diese Berufe noch erlernen, könnte man diese Vermutung aller Wahrscheinlichkeit nach stützen. Doch es gibt Hoffnung. Die Trends im Foodbereich helfen unseren Handwerksberufen für neue Auszubildende attraktiv zu werden. Ein Großteil der heutigen Jugend möchte wissen was im Essen steckt und wie man den Geschmack und den Nährstoffgehalt beeinflussen kann.

Außerdem kommt hinzu, solange jeder Beruf seinen eigenen Stolz und Bereich für sich behält, dann werden wir die uns heute bekannte Struktur auch weiterhin erhalten können. Eine Ausbildung in der alles vermittelt werden würde, macht die einzelnen Bereiche kaputt und viel Wissen geht verloren.

In der Schweiz hat man hier eine perfekte Lösung gefunden, um das Problem zu umgehen. Man spezialisiert sich einfach. Soll heißen, man lernt dort nicht einfach Konditor, sondern z.B. Konditor-Bäcker oder Konditor-Confiseur. Während der eine sich vor allem mit Teigen, Massen, Brot und Torten beschäftigt, ist der andere vor allem für Schokolade, Desserts, Kleintorten verantwortlich. Vielleicht wäre eine berufliche Spezialisierung im Bäcker- und Konditorhandwerk auch bei uns in Deutschland hilfreich.

Fakt Nr. 4: Nur weil es die Medien sagen…

Ein lediges Thema, doch nach Ansicht der Medien, verbindet man in Deutschland Kuchen eher mit Bäckern als mit Konditoren, darum gibt’s auch viele Sendungen die mit dem besten Bäcker oder dem besten Hobbybäcker werben, aber wohl nie mit Konditor, vielleicht ist die Bezeichnung für meinen Beruf einfach zu schwierig und lässt sich nicht derart einfach mit dem Backen von Waren verbinden.

Fazit: Fragt mich bloß nicht wie man gutes Brot bäckt.

Nun was bleibt am Ende? Wahrscheinlich eine Kompromisslösung, wenn man es schon nicht schafft als Konditor bezeichnet zu werden, dann können wir uns ja vielleicht auf Zuckerbäcker oder Kuchenbäcker einigen, das finde ich zwar immer noch etwas befremdlich, aber ist besser als nur Bäcker.

Falls ihr mitdiskutieren wollt, dann hinterlasst doch einen Kommentar, ich bin offen für alles. Mal sehen, wohin uns das hier noch führt.

2 Kommentare

  1. Amen dazu 😀 Ich muss sagen, dass ich die breit aufgestellte Grundausbildung in Deutschland sehr schätze, wobei eine anschließende Spezialisierung im Meister schon sinnvoll wäre (für das Konditorenhandwerk gesprochen).

  2. hi! nachdem ich mal wieder auf der suche nach inspiration HIER gelandet bin *gg*, habe ich gerade deinen eintrag gelesen. wir hüpfen dann und wann in frankreich rum und ich schätze die patissiers in frankreich sehr. aber auch unseren dorfbäcker. konditoren scheinen mir persönlich langsam auszusterben, was ich superschade finde.
    lange rede kurzer sinn:
    mein bäcker macht maximal einmal im monat eine linzer torte….. und sonst: hervorragendes (noch nicht mit backmischungen versautes) brot und kleinbackwaren.
    kuchen ist ein leidiges thema: guten kuchen zu kaufen bekommt man kaum noch (eben weil es wenige(r) klassische „draussen nur kännchen“-cafés gibt. zumindest in unserer gegend.
    patissiers sind für mich in erster linie genau das, was du hier machst. kleine küchlein, mit füllungen und mehreren böden. cremes, pralinen und eben auch desserts (im hotelbereich).
    die grenze zwischen patissier und konditor kann fliessend sein, kommt eben darauf an, worauf man sich spezialisiert.
    ich liebe es zum beispiel zu backen… auch den apfelkuchen… aber wirklich begeistern kann ich mich mehr für die entremets, jocondes und mille feuilles. croissants vorbereiten entspannt mich, den tiefkühler zu öffnen und die gefrorene mangomasse herauszunehmen um sie einzusetzen erfüllt mich mit freude.
    ich bin nix von alledem, kein bäcker, konditor oder patissier… aber wäre ich 25 jahre jünger, würde ich heute eine andere ausbildung machen.

    behalte deinen berufsstolz, berichtige die leute, wenn sie dich falsch titulieren. erkläre, wenn nötig den unterschied. das ist richtig – und wichtig… und manchmal braucht es eine erklärung, vielleicht geht derjenige dann beim nächsten „bäcker“ mit ein bisschen mehr feingefühl an die sache ran.
    in diesem sinne: weitermachen und danke für deine seite!

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