Meine Gesellenprüfung 2016 – Geprüftes Konditorenhandwerk

Dieses Jahr war es endlich soweit, ich konnte endlich nach drei Jahren meine Gesellenprüfung im Konditorenhandwerk mehr als erfolgreich ablegen. Die Arbeit die hinter der Prüfung steckt ist dabei weitaus größer und tiefgreifender als ich zu Beginn dachte, was nicht zuletzt daran liegt, dass ich als Perfektionist an jedem Detail etwas auszusetzen habe und alles genau geplant sein möchte. Als ich dann alle meine Produkte an einem „gewöhnlichen“ Arbeitstag hergestellt habe und sich auch all das Training der vergangenen Wochen bei mir bemerkbar machte, viel mir eine enorme Last von den Schultern als ich erfuhr, dass ich unter den besten drei Prüflingen des Jahres bin. Was alles auf dem Weg bis zur Prüfung lag und wie die Ergebnisse letztlich aussahen, dass seht und lest ihr im heutigen Artikel. Euer Michael.

Sieht auf den ersten Blick übersichtlich aus. Steckt aber viel Arbeit drin.

Sieht auf den ersten Blick übersichtlich aus. Steckt aber viel Arbeit drin.

Drei Jahre, solange arbeitet man in der Regel auf diesen Moment hin, wenn der Brief zur Einladung zur Gesellenprüfung ins Haus flattert und man sich endlich dafür anmelden kann. Zu diesem Zeitpunkt weiß man allerdings noch nicht viel. Man kennt den Umfang der Prüfungen aus den Jahren zuvor und weiß ungefähr wann die Prüfung stattfindet. Doch wenn dann erstmal das Thema offiziell vor einem liegt und man weiß in knapp 5 bis 6 Wochen muss man alles herstellen, was in den Prüfungsaufgaben steht, dann stellt sich in den ersten Tagen schon ein komisches, mulmiges Gefühl ein.


Das Thema: Carpe Diem


Bei mir begann alles mit dem Thema, davor dachte ich mir macht es kaum Sinn ins Blinde irgendetwas zu üben oder auszuprobieren, was ich möglicherweise überhaupt nicht machen muss. Das Thema für meinen Jahrgang war „Carpe Diem“. „Nutze den Tag“ also, dass war ja erstmal sehr vage, wodurch ich recht schnell auf der Suche nach einem Untertitel für die Prüfung war. Wofür sollte bzw. könnte man den Tag nutzen? Viele Ideen gingen mir dabei durch den Kopf, doch der Entschluss für meinen Untertitel viel im Urlaub. Ja wirklich, kein Scherz.

Ich war gerade in Italien unterwegs. Diesmal eigentlich mehr um mich von der Prüfungsphase zu erholen, aber da die Sentenz „Carpe Diem“ aus Italien stammt, war es irgendwie Schicksal, dass ich mich für einen Tagesausflug nach Venedig entschieden habe. Dort kamen mir so viele Ideen und Eindrücke für meine praktische Prüfung, dass ich mich recht schnell nach Rücksprache mit meinem Meister auf den Untertitel „Buon giorno Venezia!“ einigte.


Die Produkte: Typisch regional und international kombiniert


Ein erster Schritt war damit getan. Nun ging es an die Produkte. Für mich stand mit dem Titel für meine Prüfung auch fest, dass der Titel sich auch im Geschmack meiner Produkte widerspiegeln sollte. Also sollten alle meine Erzeugnisse sich an Italien orientieren. Von Pistazien aus Sizilien bis zu dunklem Rotwein aus Alto Adige (Südtirol). Letztlich ging die Reise einmal quer durch Italien, was meinen Prüfungstitel nochmals bestätigte.

Doch was musste ich eigentlich alles machen? Angefangen mit drei Sorten süßen Blätterteigteilchen (je 8 Teilchen), bei denen ich mich für gefüllte Sfoligatine mit Mandel-Orangen-Creme, Zitronentartelettes mit Amalfizitronen und Rote-Trauben-Taschen entschied. Dabei war es mehr als aufwendig alle Produkte zu entwickeln bis sie letztlich mir und meinem Chef zusagten.

Weiter geht’s mit feinem Teegebäck, ebenfalls drei Sorten à 15 Stück, waren gewünscht. Mein klassisches Teegebäck habe ich mit feinem Mandelsablé und einer dunklen, leicht herben Barolo-Kirsch-Konfitüre veredelt. Die zweite Aufgabe waren „Mini-Schweinsohren“, der Name passte nicht zu meinem Geschmack, also wurden sie erstmal in „Palmiers“ umgetauft. Diese wurden mit Himbeere verfeinert. Und zuletzt noch Duchesse, das ist Teegebäck mit Nougat gefüllt. Ich entschied mich hier für selbst hergestelltes Pistaziennougat.

Die Vorgaben beim Teegebäck, gaben nur beim Geschmack Spielraum.

Die Vorgaben beim Teegebäck, gaben nur beim Geschmack Spielraum.

Die dritte Themengruppe dreht sich rund um Schokolade, gewünscht sind drei Sorten Pralinen à 15 Stück. Dabei sind auch die Sorten vorgegeben, wobei man natürlich am Geschmack noch viel verändern kann. Den Start macht eine Weichkrokant-Praline. Bei mir im Sinne Italiens mit gerösteten Pinienkernen gefüllt. An zweiter Stelle waren Trüffelpralinen gewünscht. Hier entschied ich mich für eine Kombination aus herber Brombeere, saurer Zitrone und milder weißer Schokolade. Die dritte Sorte sollten aufdressierte Marzipanpralinen werden. Hier viel mir die Wahl schwer, wobei ich mich letztlich auf den Pfirsichlikör Peachtree und frischen Rosmarin festgelegt habe.

Und die Krönung der ganzen Prüfung sollte eine Torte mit drei Etagen sein, die dabei nicht übereinander stehen müssen, mit verschiedenen Dekortechniken ausdekoriert. Geschmacklich waren alle drei gleich. Mehrere Böden Pistazienbiskuit, eine Schicht aus Pistazien-Nougatknusper, ein Kern aus pochierten Pfirsichen und eine französische Buttercreme mit Blutpfirsich.

Die größte Torte bekam auch den aufwendigsten Aufsatz mit Isomalt und Gelatinezucker.

Die größte Torte bekam auch den aufwendigsten Aufsatz mit Isomalt und Gelatinezucker.

Bei dem Dekor hab ich mich – was ich eigentlich immer abgelehnt habe – für Zucker entschieden, der die blaue Lagune von Venedig und den Sonnenuntergang darstellen sollte. Vor dem Sonnenuntergang stellt sich die Rialto-Brücke aus weißem Gelatinezucker dar, was somit die zweite Dekortechnik darstellt. Als dritte und letzte Technik kam noch Modellierschokolade zum Einsatz, die sich in Form einer venezianischen Gondel präsentiert.

Schließlich wird das Bild von dem Schriftzug „Carpe Diem“ abgerundet und es vollendet auch die Präsentation meines Themas.


Die Gesellenprüfung ist mit 8 Stunden die längste Prüfung, die ich bisher hatte.


Wie lange ich für all das Zeit hatte? Nun acht Stunden zzgl. einer halben Stunde Pause. Also einen Arbeitstag, den ich in der Berufsschule verbracht habe und alles, wirklich alles bis auf ein paar Großgeräte mitbringen musste.

Klingt erstmal unvorstellbar, aber mit guter Planung, strikter Vorbereitung und viel Übung gelingt einem auch diese Leistung. Zudem dürfen alle Zutaten bereits abgewogen mitgenommen werden. Letztlich hat die Zeit bei mir genau gereicht, da ich mir bei der Dekoration des Tisches noch einige Zeit lassen wollte, habe ich die Zeit bis zur letzten Sekunde ausgereizt.


Die Ergebnisse: Silber oder 2. Platz


Wenn man dann den Raum verlässt und die Prüfer kein Wort darüber verlieren dürften, ob man bestanden hat, gerät der Tag erstmal wieder in Vergessenheit. Bis man irgendwann drei bis vier Wochen nach der praktischen Gesellenprüfung, die Ergebnisse per Post bekommt.

Die gute Vorbereitung und das intensive Training hat sich bezahlt gemacht. 2. Platz für meine Leistungen.

Die gute Vorbereitung und das intensive Training für die Gesellenprüfung hat sich bezahlt gemacht. 2. Platz für meine Leistungen.

Bevor ich meinen Brief geöffnet habe, musste ich mich erstmal hinsetzen. Die erste Seite war recht simpel: Sie haben bestanden. Yay! Die zweite Seite: Sie haben den zweiten Platz gemacht. Ab dem Moment gab es kein halten mehr. Ich bin durch die ganze Wohnung gesprungen und hab mich unglaublich gefreut. Die ganze Arbeit und die vielen Gedanken über die Gesellenprüfung hatten sich mehr als ausgezahlt. Ich bin also offiziell gelernter Konditor mit Auszeichnung.

5 Kommentare

  1. Hallo Michael,
    ich habe kommenden Januar auch meine Gesellenprüfung und stecke gerade auch mitten in den Vorbereitungen. Deine Ergebnisse sehen wirklich zum Anbeißen aus und wie du sagtest hoffe auch ich das sich die ganze harte Arbeit am Ende lohnt 🙂
    Liebe Grüße,
    Michèle

  2. Irre
    Du bist unglaublich!
    Ich freu mich riesig für dich.
    Du hast es dir auch auf jeden Fall verdient.
    Geht es jetzt weiter für dich in andere Leistungswettbewerbe?
    Die Mühe hat sich allemal geloht.

    Liebe Grüße
    Andrea

    Und nach weiter so.
    Bin ein ganz großer fan von dir.
    Hoff dir gehts gut in Berlin?

    • Tausendmal danke Andrea. 🙂
      Momentan fehlt für Wettbewerbe leider die Zeit, aber vielleicht in Zukunft mal. Mal sehen, was die Zeit bringt.
      Wenn man sich mit den Berlinern erstmal arrangiert hat, dann macht auch die Arbeit hier Spaß. Ich für meinen Teil fühl mich mittlerweile sehr wohl hier in Berlin, auch wenn mir meine bayrische Heimat schon abgeht.
      Die Arbeit macht Spaß. Die Produkte sind nicht nur schön zum Ansehen, sondern schmecken auch fabelhaft. Mit den Kollegen ist gut zu scherzen. Nur anstrengend ist es, aber solange man Spaß hat, ist es das geringste Übel.

      Liebe Grüße und danke für deine Treue,

      Michael.

  3. Lieber Michael,
    Nun endlich eine herzliche Gratulation von mir! Wirklich beeindruckend was du in dieser kurzen Zeitspanne geschaffen hast. Besonders das Teegebäck finde ich wunderschön. Sowas würde ich nie hinkriegen! Was muss man dann erst für eine Meisterprüfung abliefern?!

    Ich wünsche dir, dass du deine Zeit in Berlin genießen kannst und viel lernst. In so einer Stadt zu wohnen ist nicht ganz einfach. Lass dich nicht unterkriegen!

    Liebe Grüße Maren

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