10 Gründe Konditor zu werden

„Es gibt gute Gründe Konditor zu sein und zu werden.“

Es gibt viele Gründe einen Beruf erlernen, einige davon werde ich euch heute erläutern. Natürlich geht es hier darum, warum man Konditor werden soll bzw. was für eine zwei- bis dreijährige Ausbildung zum Konditor spricht. Schließlich wisst ihr mittlerweile schon wieso ich Konditor geworden bin (gibt’s hier zum Nachlesen), aber es gibt noch viele weitere Gründe, die vielleicht nicht immer einen großen offensichtlichen Einfluss haben, aber mir während der Lehre noch einige Vorteile einer handwerklichen Ausbildung aufgezeigt haben. Ich bin gespannt, ob ihr selbst die Liste noch erweitern würdet oder was euch noch für Gründe einfallen würden. Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen. Euer Michael.

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Nr. 1: Der Kreativität ihren freien Lauf lassen

Für viele Menschen ist es ein langersehnter Traum während der Arbeit der eigenen Kreativität freien Lauf lassen zu können. Während der eigentlichen Ausbildung zum Konditor muss man sich stark an die Vorgaben des Betriebs oder Chefs halten, aber das ist in fast jeden Beruf der Fall. Doch bei Wettbewerben könnt ihr mit eurer Kreativität wahrlich große Preise abräumen und es so zu weltweiten Ruhm schaffen. Der Aufwand, um an solchen Wettbewerben teilnehmen zu können und eine reelle Chance auf einen Sieg zu haben, ist groß. Ihr müsst euch viel in eurem Spezialgebiet, sei es Schokolade, Zucker oder Marzipan, aneignen und stets üben, nur so schafft ihr den Sprung auf die Bühne.

Eine Stufe kleiner gedacht. In kleinen Konditoreien, in denen ihr die Leitung übernehmt oder ihr aktiv am Sortiment mitarbeiten könnt, habt ihr die Möglichkeit eure Rezepte und Ideen einzubringen. Und es gibt fast nichts schöneres als sein Törtchen in der Theke zu sehen. 

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Nr. 2: Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern

In fast keinem Bereich wie der Konditorei ist es einfacher euren Kunde ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Schließlich müsst ihr bedenken, wenn ein Kunde zu euch kommt, dann will er sich was gönnen, sich den Tag versüßen und wer ist dafür besser geeignet als ihr.

Jeder braucht früher oder später etwas zur Aufmunterung, zur Steigerung des Selbstwertgefühls oder zur Verwöhnung der Sinne. Oft helfen dafür schon die kleinsten Aufmerksamkeiten, sei es ein noch warmer Keks zum Kaffee oder eben gleich das Törtchen aus der Theke. Es ist ein wunderbares Gefühl einen Kunden mit einem Lächeln aus dem Café gehen zu sehen.

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Nr. 3: Hoher Nutzen im Alltag

Handwerksberufe haben den großen Vorteil, dass sie im Privatleben immer sehr gefragt sind. Das trifft nicht nur auf das Konditorhandwerk zu, sondern auch auf beispielsweise Schreiner, Elektriker oder Maler. Wann immer ein Verwandter oder ein Freund einen Kuchen, eine Torte, ein Dessert benötigt, er wird sich zuerst an euch wenden, schließlich kennt er euch und vertraut euch.

So habt ihr einerseits die Möglichkeit nebenbei noch Geld zu verdienen, das ihr wahrscheinlich brauchen werdet, da das Gehalt von Konditoren verhältnismäßig gering ist, andererseits könnt ihr euren Freunden zeigen was ihr in eurem Handwerk drauf habt. Eure Freunde werden es euch immer danken, wenn ihr ihnen noch spontan einen kleinen Kuchen backt oder aber sich bei euch selbst plötzlich Besuch ankündigt, ihr noch schnell den Schneebesen schwingt und alle wiederum erstaunen lasst.

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Nr. 4: Sehr vielfältige und abwechslungsreiche Arbeiten

Es mag nicht auf jeden so wirken, aber als Konditor hat man ein sehr breites Arbeitsgebiet. Oft habe musste ich schon hören: „Du backst doch nur den ganzen Tag Kuchen.“ – Falsch. Backen macht im Prinzip nur einen winzigen Teil der eigentlichen Arbeit aus. Mit dem Backen von einem Biskuitboden ist es noch lange nicht getan, du musst die Cremes für die Füllung herstellen. Danach geht es an das Dekor, das natürlich auch noch selbst gemacht wird. Hinzukommen die Spezialbestellungen, seien es üppige Hochzeitstorten mit Fondant und modellierten Blüten dekoriert. Oder ist es eine Bonboniere aus Schokolade, in welcher ihr die Pralinen für einen besonderen Anlass verkauft. Reicht euch noch nicht? Dann macht ihr im Sommer eben auch noch die beste Eiscreme der Stadt und zeigt es den Italienern wie es wirklich geht und an Weihnachten bietet ihr die schönsten Plätzchen, den saftigsten Stollen und die ausgefallensten Schokonikoläuse an. Da soll nochmal jemand behaupten, dass ein Konditor „nur“ Kuchen backt.

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Nr. 5: Noch bessere Kuchen und Torten herstellen

Je mehr Übungen und Zeit ihr in der Arbeit in euer handwerkliches Geschick steckt, umso besser schneller und besser könnt ihr Torten herstellen. Ich selbst hab am Anfang meiner Karriere festgestellt, das ich ein ziemliches Defizit beim Modellieren mit Marzipan und Rollfondant habe. Mittlerweile werfen mich Aufgaben, die z.B Blüten aus Zuckerpaste beinhalten, nicht mehr aus der Bahn, weil ich viel Zeit und Übung investiert habe. Der Dank ist, dass ihr immer schneller und perfekter ihn eurer Ausführung werdet und euch selbst an euren Erfolgen erfreut. Diese Perfektion bringt euch im weiteren beruflichen Leben weiter als man im ersten Moment vielleicht meinen mag, denn es macht euch vielseitig einsetzbar.

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Nr. 6: Gelernt ist gelernt

Als Konditor gehört man zum Handwerk und damit zur größten Wirtschaftskraft in Deutschland. Ohne Handwerk wären wir heute nicht da, wo wir jetzt sind. Wir würden vermutlich nicht einmal annähernd unseren heutigen Lebensstandard haben.

Ihr erlernt als Konditor ein Handwerk, dass eine hundertjährige Geschichte hat. Es gibt viele Traditionen, die gewahrt werden wollen und noch mehr Gerüchte und Mythen wollen erforscht werden. Anfangs kostet es viel Kraft sich mit dieses verrückten Konditoren zu arrangieren, doch habt ihr es einmal geschafft, dann steht einer süßen Zukunft nichts mehr im Wege. Da wir in einer freien Wirtschaft leben, wird es uns immer geben. Wir sind nicht so wichtig wie Bäcker, aber wer seine Sinne verwöhnen möchte, der wird zu uns kommen, das war früher schon so und wird auch so bleiben. Die aktuellen Trends wie Superfood und Veganismus werden das Handwerk in Teilen verändern, aber es wird weiter bestehen bleiben. Ihr lernt für die Zukunft und auch im Handwerk lernt man nie aus.

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Nr. 7: Naschen wird zum Beruf

Ja, ihr dürft als Konditor sehr viel naschen und ja, dass ist bis zu einem begrenzten Maß auch in Ordnung und erwünscht. Leider muss ich viel zu häufig von angehenden Konditoren hören: „Ich backe gerne, aber ich mag die Sachen alle nicht essen.“ Dann solltet ihr euch überlegen, ob Konditor wirklich der richtige Beruf für euch ist. Woher wollt ihr wissen, ob das was ihr macht schmeckt, wenn ihr nicht einmal selber probieren wollt? Der Kunde soll ja nicht zu eurem Versuchskaninchen werden, sondern ein Genusserlebnis von euch bekommen. Ihr müsst jedes neue Produkt auch probieren und das von Anfang an. Bei einer Torte probiert ihr alle einzeln Schichten für sich und dann nochmal alle in Kombination. Naschen wird sozusagen zur Chefsache. Es ist von nun an euer Beruf alles zu probieren und zu analysieren, um es für eure Produkte perfekt einsetzen zu können.

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Nr. 8: Geschmack- und Geruchssinn verfeinern

Mir ist der Punkt naschen, echt wichtig, doch noch wichtiger ist es, während der Ausbildung den Geschmack zu schulen. Am Anfang meiner Ausbildung hab ich fast alles gegessen, mittlerweile hat sich mein Geschmack derart entwickelt, dass ich viele Produkte der Industrie nicht mehr essen kann, weil sie für mich nur nach künstlichen Aromen und Weichmachern schmecken, das ist ein langer Prozess. Doch schmeckt ihr erstmal aus einem „einfachen“ Kompott alle einzeln Gewürze heraus und erkennt jede Komponente, dann werdet ihr euch freuen, weil essen von diesem Zeitpunkt an wirklich Spaß macht und ein einziger Genuss wird.

Die nächste Stufe erreicht ihr, wenn ihr sechs verschiedene Wasser testen sollt und dann feststellt, dass eines süß, das andere bitter, das andere sauer und so weiter schmeckt. Ihr erreicht während eurer Ausbildung einen neuen Standard was Geschmack angeht.

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Nr. 9: Verzieren und Garnieren auch privat

Zugegeben, dieser Punkt geht ziemlich mit dem Punkt Nummer 5 einher, doch ist es etwas anderes. Ein Hobbykonditor wird nur selten selbst eine eigene Verzierung aus Schokolade, eine Garnierung aus Eiweißspritzglasur oder eine üppige Rosenblüte aus Blütenpaste herstellen. Einerseits fehlt dafür oft das Know-How und andererseits möchte man sich mit so kleinen Dekoren nicht allzu lange aufhalten. Als Konditor jedoch habt ihr gelernt, die Zutaten zu beherrschen mit ihnen das zu machen was ihr wollt. Am Anfang führt es zwar nicht immer zum gewünschten Ergebnis, aber es ist einfach toll, wenn man sein Fingerspitzengefühl auch bei eignen Backwaren ausleben kann.

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Nr. 10: Geld mit dem liebsten Hobby verdienen

Einer der Punkte, der sich auch schon in meinem Artikel zu meinen Beweggründen widerspiegelt. Ich kann mit meinem anfangs Hobby bares Geld verdienen. Ich werde nie soviel verdienen wie ein Ingenieur oder Arzt, aber ich verdiene Geld mit etwas das mir wirklich Spaß macht und letztlich sollte man im Leben auch das machen was einen selbst mit Zufriedenheit erfüllt. Ihr habt die Möglichkeit den ganzen Tag im süßen Lebensmittelbereich tätig zu sein und dabei auch noch Geld zu verdienen. Ihr dürft den ganzen Tag mit Schokolade arbeiten und werdet dabei auch noch dafür bezahlt. Ein wunderbarer Gedanke, der sich einfach realisieren lässt, man muss nur den ersten schweren Schritt nehmen.

7 Kommentare

  1. Hallo ☺
    Ich find es zum Beispiel auch total schön zu experimentieren. verschiedenen Konsistenzen miteinander zu vereinbaren. Oder Geschmäcker zu kombinieren.
    Momentan steh ich total auf Schokolade mit Käse und Nüssen …und Trauben …..

    Jetzt Hab ich noch ne frage an Dich.
    Bei dir steht immer Rosenheim mit dabei.
    Wie stehst du denn Rosenheim?

    Und hab gerade gelesen dass du letztes Jahr deine zwischen Prüfung hattest.
    Wie stehst nun mit deiner Gesellen Prüfung? Oder hattest du sie schon im Winter in München?

    Ganz liebe Grüße
    Andrea

    • Oh ja, mit Konsistenzen und Geschmäckern zu experimentieren gehört wirklich auch dazu. Mache ich auch unglaublich gerne.

      Nun ich wohne größtenteils in München. Schließlich ist mein Ausbildungsbetrieb hier. Jedoch bin ich am Wochenende sehr häufig in Rosenheim bei Freunden und Familie. Ich arbeite noch bis zum Sommer in meinem Ausbildungsbetrieb weiter.

      Viele Grüße, Michael.

  2. Lieber Michael,

    das finde ich ein sehr gelungenes Statement. Ich glaube, dass ich das mal kopiere und bei mir in der Konditorei aufhänge. Mal schau‘ n was meine Lehrlinge davon halten.

    Es grüßt aus dem Westen

    Martin

  3. Sehr schön!
    Wobei man dazu nicht zwingend eine Konditoren-Ausbildung machen muss (auch wenn sie wahrscheinlich einiges vereinfacht). Ich habe das Glück, Zeit zu haben, das PH10 zu haben und den besten „Assistenten“ der Welt. 🙂
    Liebe Grüße,
    Eva

  4. Hey Hallo

    Das ist wieder einmal ein super gelungener Beitrag von dir

    Meine Mädels und ich würden uns richtig freuen wenn du mal ein paar Pralinen Rezepte vorstellen würdest und vielleicht auch das Erstellen von Holkörpern.

    Wünsch die noch ein super schönes Wochenende
    Liebe Grüße

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